Mittwoch, 10. Juni 2015

Essstörung vs Halbmarathontraining oder auch Leben


Ich möchte den Post heute der Essstörung widmen. Derzeit lebe ich recht normal. Jedoch hält mich das nicht ab zu fressen. Fressattacken. Die meisten Essgestörten kennen sie, diese teuflischen kleinen viel zu großen, unkontrollierbaren Mahlzeiten, die einem das Leben erschweren. Auch mich verfolgen sie immer noch, obwohl ich ausreichend essen, obwohl ich kein Untergewicht oder unteres Normalgewicht habe, obwohl ich einen geregelten Alltag führe.

Ich rede nicht von einer ungeplanten Mahlzeit, ein paar Stück Obst zu viel. Ich rede von 1 Pizza Calzone (950kcal), Haferbrei mit Beeren (432kcal), 400 gr Smatieähnlichen Dingern (1872kcal) und noch 100 gr Kekse (520kcal). Das macht: 3774 kcal in einer geringen Zeit, eine "Mahlzeit", gestopft. Der Bauch wölbt sich, laufen ist kaum möglich, ewig liegen, auf dem Rücken, tut der Bauch weh, wird auf den Bauch gedreht. Schreckliche Zeit danach.
Ich könnte kotzen. Ich könnte Abführmittel nehmen. So wie ich es oft gemacht habe vor einem guten Jahr. Ich will es aber nicht.

Und trotzdem steht an diesem Tag das Lauftraining an. 5 km. Du kannst dich kaum bewegen, sollst aber laufen gehen. Gibt du der Essstörung nach und bleibst liegen oder kotzt oder gehst du mit Schmerzen laufen und wirst vielleicht abbrechen oder auf dem Weg kotzen müssen?

Ich hab mich für zweiteres entschieden. Mit jedem Mal, das ich liegen bleibe, gebe ich der Essstörung macht über mich. Ich habe gemerkt, dass ich trotzdem laufen kann, dass ich Herr meiner Selbst bin und dass ich diszipliniert sein kann.

Dass ich die Dinge im Griff habe.
Das war nämlich der Auslöser für die Fressattacke, das Gefühl, dass mir alles aus den Händen entgleitet.


Das Bild sagt, dass es an der Zeit sei, auf die Essstörung wütend zu sein. Ich denke, dass es der falsche Ansatz ist. Es ist Zeit auf die wütend zu sein, die für die Wut Schuld sind. Die Fressattacke ist die Folge, dass ich den Menschen, die mich wütend machen, zu viel Macht über mich gebe, die ich eigentlich nicht abgeben will.

Also habe ich heute etwa 4600 kcal zu mir genommen und war gerade mal 37:38 Min laufen. Da ist nichts ausgeglichen. Mir ist immer noch schlecht.

Aber ich bin trotz Fressattacke laufen gewesen und habe mir gezeigt, dass ich die Kontrolle auch durch das Laufen hätte holen können, wenn mir das zuerst eingefallen wäre.

 

1 Kommentar:

  1. okay, das sind eindeutig bis zu 2000kcal zu viel für eine "normale" mahlzeit.. 2000-2200 mach ich grds. auch, und das is schon m.E. die absolute grenze des möglichen, was der körper schafft.. aber das is einfach ein prozess der dauert, so hab ich vor 3-5jahren au anfangen müssen und iwann wird es dann ein gutes verhältnis aus noch bewegen können und kalorienmenge, und je mehr du tatsächlich gewinnst, desto eher klappt es, weil das laufen wie eine positive unsichtbare hand wirkt, auf das nach/vor dem laufen!
    aber so grds is die slebstreflexion auf sicher messerscharf und treffend analysiert. ja, man muss lernen, egal was passiert, tod, trauer, hass, streit, egal was negatives auch einem immer wieder im leben begegnen kann, zu absorbieren also keinen effekt auf essen z.b. zuzulassen und das laufen hilft dann bei einer positiven verarbeitung, weil es frei macht, mithin befreiend wirkt.

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